Am 11. Mai 1952 erschoss die Polizei in Essen den 21-jährigen Arbeiter Philipp Müller, Mitglied von FDJ und KPD. Die Broschüre des Hans-Litten-Archivs rekonstruiert mit Zeitzeugnissen den „Essener Blutsonntag“ als Ausdruck staatlicher Repression gegen die Gegner der westdeutschen Wiederbewaffnung.
Zur Jugendkarawane gegen Adenauers Remilitarisierung kamen Tausende junge Menschen aus kommunistischen, sozialdemokratischen, gewerkschaftlichen und christlichen Zusammenhängen. Sie forderten einen Friedensvertrag statt militärischer Westbindung. Nordrhein-Westfalens Innenminister Karl Arnold ließ die Kundgebung kurzfristig verbieten, als viele bereits unterwegs waren.
Die Polizei setzte Schlagstöcke, Hunde und Pferde ein; Demonstrierende wehrten sich mit Stein- und Flaschenwürfen. Zeugenaussagen schildern Schüsse auf Flüchtende und Misshandlungen Verletzter. Neben Müllers Tod dokumentiert die Broschüre die schweren Schussverletzungen von Bernhard Schwarze und Albert Bretthauer sowie 260 Festnahmen.
Die Zeitung „Die Welt“ behauptete, Demonstranten hätten zuerst geschossen. Bei den Festgenommenen wurden jedoch keine Schusswaffen gefunden; vor Gericht spielte dieser Vorwurf keine Rolle mehr. Die Justiz wertete die tödlichen Polizeischüsse als Notwehr. Kein Polizist wurde gerichtlich belangt, während elf Demonstranten insgesamt 76 Monate Haft erhielten. Die Broschüre stellt dies in den Zusammenhang von FDJ- und KPD-Verbot, politischem Strafrecht und Antikommunismus als Staatsdoktrin.
Ein weiteres Kapitel vergleicht das Gedenken: In der DDR wurde Müller durch Straßen- und Einrichtungsnamen geehrt, in der Bundesrepublik blieb die Erinnerung lange auf kleine linke Kreise beschränkt. Abschließend zieht die Broschüre eine Linie zu späteren Fällen tödlicher Polizeigewalt, darunter Benno Ohnesorg, Günter Sare und Oury Jalloh. Ihr Anliegen ist, Müllers antifaschistisches und antimilitaristisches Engagement wachzuhalten und organisierte Kritik an staatlicher Repression zu stärken.